Dualität, der Ursprung. Wo die Spannung beginnt.

 

Dieses Bild zeigt das Kostbarste im Leben: Zeit.

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BLOG — Dualität, der Ursprung

Wo die Spannung beginnt

Die letzten Jahre hatten ein Thema: Gegensätze.

Leben und Tod.
Weiß und Schwarz.
Warm und Kalt.
Wahrheit und Lüge.
Licht und Schatten.

Habe ich diese Gegensätze gesucht?
Oder sind sie mir begegnet?

Ich habe sie bewusst unbewusst aufgesucht.
Sie waren da –
wie stille Begleiter, die sich zeigen,
sobald man innerlich ruhig genug wird, um sie wahrzunehmen.

Sekunde um Sekunde, über Tage, Monate und Jahre hinweg.

Ich habe sie nicht bewusst gewählt.
Sie haben mich gefunden –
als Hinweise, die erst sichtbar werden,
wenn man für einen Moment anhält.

Und irgendwann stellte sich die Frage:
Was verbindet all diese Gegensätze?

Der Gedanke, der eine Tür geöffnet hat

Vor einiger Zeit stieß ich auf den Begriff des Deismus.
Ein Gedanke, der einen Ursprung beschreibt –
keine Figur, kein Wesen, kein Bild.
Ein Anfang ohne Form.

Das Wort „Gott“ fühlt sich für mich nicht natürlich an.
Zu viel Geschichte, zu viel Überlagerung.
Wenn ich diesem Anfang einen Zustand geben soll,
dann nenne ich ihn:

Ursprung.

Und noch etwas anderes veränderte meinen Blick:

Was ist, wenn nicht ein Ursprung die Dualität hervorbringt –
sondern die Dualität selbst der Ursprung ist?

Dualität ist Spannung

Dualität ist keine Trennung.
Sie ist das gleichzeitige Bestehen zweier Pole,
die einander erst Bedeutung verleihen.

Hell braucht Dunkel.
Wärme braucht Kälte.
Nähe braucht Distanz.
Freiheit braucht Grenze.
Und umgekehrt genauso.

Denn kein Pol existiert ohne den anderen.
Jeder definiert, begrenzt und ermöglicht seinen Gegenspieler.

Zwischen ihnen entsteht etwas Drittes:

Spannung.

Spannung ist kein ruhiger Zustand.
Spannung ist Potenzial.
Der Moment vor der Bewegung.
Der Funke vor der Energie.

Und plötzlich wurde mir klar:

Dualität ist nicht Ergebnis eines Anfangs.
Dualität ist der Anfang.

Warum Dualität unendlich ist

Dualität hat etwas Unendliches.
Nicht, weil die Pole selbst unendlich wären,
sondern weil sie Grenzwerte sind.

Wir wissen nicht,
ob es ein Weißeres als Weiß gibt
oder ein Schwärzeres als Schwarz.

Beide Pole sind nur Annäherungen –
niemals absolut.

Vielleicht ist es wie der Moment,
wenn Dämmerung in Tag übergeht:
kein Anfang, kein Ende, nur ein Übergang.

Und der Raum dazwischen,
die unzähligen Abstufungen und Übergänge,
ist unendlich.

Zwei Endlichkeiten erzeugen eine unendliche Spannung.

Ein Paradox,
das die Welt antreibt.

Ein persönlicher Moment inmitten der Spannung

Während ich diese Zeilen schreibe,
merke ich, dass all das nicht theoretisch ist.
Es trifft mein eigenes Leben.

Denn im Moment bin ich all das gleichzeitig:

glücklich,
berührt,
verunsichert,
klar,
nachdenklich,
dankbar,
erschöpft,
inspiriert.

Nichts davon dominiert.
Nichts davon widerspricht dem anderen.
Alles existiert nebeneinander,
wie zwei Pole, deren Spannung
einen dritten Raum öffnet:
Leben.

Manchmal zeigt sich diese Spannung in den kleinsten Momenten.
Neulich stand ich am Morgen am Fenster, ein stiller Augenblick,
der weder hell noch dunkel war.
Eine einzige Wolke zog über den Himmel,
halb im Licht, halb im Schatten.
Ich merkte, wie beides gleichzeitig da war –
und dass genau darin etwas Wahres liegt:
Nichts ist je nur eines.
Vielleicht war es sogar ein Gruß aus zwischen den Welten.

Vielleicht entstehen genau hier
die Gedanken, die bleiben.

Konklusion: Der Übergang

Je tiefer ich über die Dualität nachdenke,
desto klarer wird:

Geburt und Tod sind keine Gegensätze.
Sie sind zwei Seiten derselben Bewegung.
Zwei Übergänge derselben Spannung.
Zwei Namen für denselben Ursprung.

Geboren werden heißt, in diese Welt zu treten.
Sterben heißt, aus ihr hinauszutreten.

Doch der Vorgang ist derselbe:

ein Übergang.

Vielleicht liegt genau darin
das Unendliche.

Schluss

Das Kostbarste im Leben: Zeit.
Für jemanden.

Carlos Vicente de la Plaza – zeitlichtundfarbe

Bleiben wir in Verbindung –
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